Eltern unter Generalverdacht : Die Broschüre „Ene, mene, mu und raus bist du!“ der Amadeu Antonio Stiftung

 

Im Namen von Toleranz und Bekämpfung von Vorurteilen hat die Amadeu Antonio Stiftung eine Broschüre für Kindergärten herausgegeben, zu der unsere Familienministerin, Franziska Giffey (SPD), das Vorwort geschrieben hat. Für sie und die Stiftung ist es offenbar ganz klar: Wenn Mädchen zu eindeutig Mädchen und Jungen zu eindeutig Jungen sind, gelten diese Eltern als potentiell rechtsextrem. Ja, das hier ist leider kein Witz. Diese Broschüre, die mit öffentlichen Geldern mitfinanziert wird mit dem angeblichen Ziel, Vorurteile zu bekämpfen, schürt in Wahrheit genau diese: Vorurteile gegen Eltern, deren Werte- und Erziehungshaltung und deren politische Gesinnung. 

Kinder aus „völkischen Elternhäusern“ seien gut zu identifizieren, denn bei diesen Familien sind „traditionelle Geschlechterrollen“ in den Erziehungsstilen erkennbar: „Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt.“ (S.12)

Auf knapp 60 Seiten versucht die Broschüre, Erziehern im Kindergarten Ratschläge zu geben, wie mit „auffälligen“ Eltern umgegangen werden soll. „Auffällig“ bedeutet, wenn die Kindergärtnerinnen beobachten, dass „die Erziehung in den Familien sehr auf die Ausbildung klassischer Geschlechterrollen bedacht ist. Es geht darum, ein „richtiger Junge“ und ein „richtiges Mädchen“ zu sein“. (S.8)

 Kindern Geschlechtergerechtigkeit und die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten und Lebensweisen zu vermitteln, ist Teil des Erziehungsauftrags. Das Erlernen einer demokratischen Haltung, z.B. vermittelt durch Methoden der Vielfaltspädagogik, ist zentral, um Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung zu verhindern und um inter- und transgeschlechtliche Kinder zu empowern“. (S. 28)

Die Verfasser dieser Broschüre scheinen keine Kinder zu haben, zumindest keine in Kindergartenalter, denn sie haben nicht bemerkt, dass Kinder zwischen 2 und 5 Jahren andere Interessenschwerpunkte haben, als zu wissen, was ein Transgender, ein Zwitter oder was Intersexualität ist. Für sie sind alle Menschen Menschen, und sie unterscheiden  zwischen Kindern und Erwachsenen und allenfalls noch zwischen weiblich und männlich.

Wenn Eltern, die das natürliche Erziehungsrecht haben, in einem Haushalt leben, wo die hier angestrebte „Vielfaltspädagogik“ noch nicht eingedrungen ist, sollen sie von den Erziehern zum Elterngespräch eingeladen werden, verlangt die Broschüre. Denn „…Eltern bringen ihre unter Umständen menschenfeindlichen Positionen vehementer ein als noch vor wenigen Jahren, und Soziale Medien stellen dafür Resonanzräume dar und setzen Dynamiken in Gang, die aggressiv und unübersichtlich sind“. (S. 9)

Das Beispiel der „besorgten Mutter“ lässt den Leser nicht weniger staunen: „In ihrer Kita gibt es eine Verkleidungsecke mit Kostüm- und Schminksachen, welche die Kinder rege nutzen. Ein Junge lässt sich von ihnen die Fingernägel lackieren. Am nächsten Tag sucht dessen Mutter vehement ein Gespräch mit ihnen. Sie fragt, was das solle und erklärt, das habe einen schlechten Einfluss auf ihr Kind, Kinder sollten heutzutage nicht noch zusätzlich verunsichert werden; Jungen seien Jungen, Mädchen seien Mädchen und sie möchte, dass ihr Junge »später mal ein richtiger Mann wird«. Sie als Erzieher*in erklären, dass in ihrer Kita geschlechtliche Vielfalt und Toleranz begrüßt werden, Kinder sich ausprobieren können und dafür auch unterschiedliche Materialien zum Lesen und Spielen ausliegen, u.a. zum Schminken und Kostümieren“. (S. 19)

Das Wort „Kindeswohlgefährdung“ wird oft gebraucht. Wie wir wissen, möchte Bundesfamilienministerin Giffey Kinderrechte im Grundgesetz fest verankern lassen. Man fragt sich, ob zukünftig die politische oder religiöse Gesinnung der Eltern als „Kindeswohlgefährdung“ eingestuft werden kann. Das wäre eine erhebliche Beschneidung des natürlichen elterlichen Rechtes auf die Erziehung der eigenen Kinder.  Die Ministerin hat die Aufgabe, die Familien zu unterstützen und zu stärken. Dass in der Erziehung der Kinder eine Zusammenarbeit zwischen Erziehern und Eltern unabdingbar ist und eine vertrauensvolle Beziehung und nicht eine skeptische Beobachtung gefordert ist, sollte die Familienministerin eher als Ziel haben – nicht eine weitere Polarisierung in der Gesellschaft.

Andrea Heck -Landesvorsitzende-


Hilfe für die Förderschulen

Ab August 2019 gelten für Förderschulen geringere Mindestschülerzahlen. Wie alle Schulen brauchen auch Förderschulen eine Mindestzahl von sie besuchenden Schülerinnen und Schülern, um nach schulrechtlichen Vorschriften bestehen zu können. Schulministerin Löhrmann (Grüne) hatte im Jahr 2013 ohne große öffentliche Diskussion die Streichung der Regelung veranlaßt, daß ausnahmsweise bei Bedarf die Mindestschülerzahl bis auf die Hälfte absinken dürfe. Solche Ausnahmefälle gab es viele und somit führte der Wegfall der Ausnahmeregelung zur Schließung einer Vielzahl von Förderschulen in NRW. Schulministerin Gebauer (FDP) bremste gleich nach Amtsantritt 2017 Schließungen und legte nun eine Rechtsverordnung vor, die geringere Mindestschülerzahlen festschreibt.  Statt 144 brauchen Förderschulen mit dem Schwerpunkt „Lernen“ ab 2019 nur noch 112 Schüler und Schülerinnen und Teilstandorte sind schon ab 42 Kindern mit den Schwerpunkten „Lernen“ und „Entwicklungsstörungen“ möglich.

Der Elternverein NRW hat in seiner Stellungnahme zum Entwurf die neue Verordnung begrüßt.

Wir schrieben unter anderem: „Auf diese Weise wird das Elternrecht gestärkt, das nach dem Schulgesetz (§ 20 Abs.2) den Eltern von Kindern mit Behinderungen die Wahl zwischen der allgemeinen Schule und einer Förderschule erlaubt.“

„Die nun geplante Verordnung mit dem Ziel, mehr Förderschulen vorzuhalten, widerspricht nicht der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen, die in Deutschland Gültigkeit hat.  Ausdrücklich legt die UN-Konvention gegen Diskriminierung fest: Keine Diskriminierung sind Maßnahmen, die Staaten zur Förderung ihrer Behinderten treffen. Damit wird das deutsche Schulwesen von der UN-Konvention überhaupt nicht erfaßt. Denn in Deutschland gibt es diese „Maßnahmen zur Förderung ‘seiner’ Behinderten“.  Es werden alle behinderten Kinder beschult, sie sind auch schulpflichtig! Die Art und Schwere der Behinderung wird in einem besonderen Verfahren ermittelt.  Es gibt verschiedenartige Behinderungen, 7 verschiedene Förderschwerpunkte, verschiedene Förderschulen und eine diesbezügliche Lehrerausbildung.“

„Und das Gebot der Inklusion steht der neuen Verordnung auch nicht entgegen. Alle sonderpädagogische Förderung dient dem Ziel, behinderte Kinder und Jugendliche so zu betreuen, daß sie ihren Platz in unserer Gesellschaft möglichst gut einnehmen können.  …  Es bedarf hier keiner Auflistung der Probleme und Unzulänglichkeiten, welche die Bestrebungen gebracht haben, die allgemeine Schule sei grundsätzlich die Regelschule für alle behinderten Kinder. Zahllose von ihnen erlebten in der allgemeinen Schule nicht Bildung, sondern Demotivation. Solchen Kindern kann nur eine Förderschule gerecht werden und ihnen den Weg in die Gesellschaft ebnen. Das Gebot der Inklusion kann nicht bedeuten, die Schädigung von behinderten Kindern, die Regelschulen nicht zu fördern in der Lage sind, billigend in Kauf zu nehmen.“

„Auch wenn bisherige Ausnahmeregelungen durch die Herabsetzung der Mindestschülerzahlen nicht in Betracht zu ziehen sind, so sollte doch eine Vorschrift eingefügt werden, die festlegt, daß geringe Abweichungen bis zu 5 Schülerinnen und Schüler noch keine schulorganisatorischen Maßnahmen auslöst. Die Zahl behinderter Kinder läßt sich nur schätzen, nicht festschreiben. Auflösung und Neuerrichtung von Schulen sind sehr aufwendig und zeitraubend und daher möglichst zu vermeiden.“

Elternverein NRW e.V Oktober 2018

 

Digitalisierung – wie weit darf sie gehen? Plakat: hier 

P R E S S E M I T T E I L U N G

Digitalisierung und Schule:

Der schöne Schein ist allzu trügerisch

Renommierter Experte warnt vor Risiken und Nebenwirkungen für den Bildungsbereich

Seit einem Jahr gibt es einen Zusammenschluss von fünf überregionalen Elternverbänden*, die die Bürger in NRW über Bildungsfragen und Schulpolitik informieren und mit ihnen diskutieren möchten. Für ihr diesjähriges Forum am 5.7.2018 hatten sie ein brisantes Thema gewählt – und einen unerschrockenen Experten gewonnen: Prof. Dr. Ralf Lankau, Medienwissenschaftler aus Offenburg und Autor des Buches „Kein Mensch lernt digital“.

Lankau stellt der derzeitigen Digitaleuphorie eine realistische und kritische Sichtweise gegenüber. Versprochen werde wachsende Freiheit und Erleichterung, ernten würden wir aber vor allem totale Überwachung und Steuerung. Im Bildungsbereich sei das besonders brisant: Lernende degenerierten zum umfassenden Datensatz, ihr Lernverhalten werde bis ins Kleinste erfasst und abgespeichert, Bildungsgüter automatentauglich zerhackt. Hingegen könne sich humane Bildung nur als offenes, beziehungsgestütztes Lernen vollziehen. Die empirische Unterrichtsforschung – nicht zuletzt die derzeit weltgrößte Metastudie von John Hattie – zeige denn auch keinerlei Verbesserung der Lernqualität durch Technologie.

Es sei zu befürchten, dass der aktuell vieldiskutierte Digitalpakt versteckte Absichten verfolge:  nicht nur Lehrer durch Software zu ersetzen, Prüfungen zu automatisieren, Bildungsinhalte durch Konzerne statt durch Bürgervertreter zu steuern; auch unmerklich jede Regung unserer Kinder und Jugendlichen zu erfassen, abzuspeichern und profitmaximierend zu nutzen. Für die IT-Industrie winke jetzt ein riesiges Geschäft – und für viele andere Machtakteure demnächst die optimierte Steuerung. Unkontrollierte Digitalisierung sei die aktuelle Form der Gegenaufklärung.

Professor Lankau befürwortete durchaus zusätzliche Milliarden im Bildungsbereich – sie müssten aber ohne Lobbysteuerung und mit pädagogischem Bedacht ausgegeben werden können. Und das schließe keineswegs technologische Innovationen aus – nur müsse das Digitale einHandwerkszeug bleiben, statt zur allgegenwärtigen Lehrmaschine zu entarten, die frontal auf die Lernenden einwirkt.

Der Experte regte an, Digitalisierung insbesondere im Schulischen neu zu denken. Er ermutigte Lehrer und Eltern, sich jeder Digitaleuphorie entgegenzustellen, nach dem tatsächlichen Nutzen digitaler Hilfsmittel zu fragen, sich für sparsamen Datenumgang und kontrollierbare Speicherung einzusetzen. Er wisse, dass das nicht einfach sei, aber hier gegenzuhalten würde sich für unsere Kinder lohnen. Die gerne belächelte DSGVO sehe er deshalb als Chance, das Schulverbot privater Smartphones in Frankreich sei für ihn ein Hoffnungsschimmer. Weitere konkrete Hinweise für Pädagogen können Interessenten den Folien von Prof. Lankau entnehmen (über den Veranstalter).

Trotz Schwüle und Schuljahresendmüdigkeit verfolgten ca. 170 Eltern und Lehrer fast zweieinhalb Stunden lang Vortrag und Diskussion in der Aula des Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasiums in Köln.

* “Eltern für eine gute Schule“, „Landeselternschaft der Gymnasien in Nordrhein-Westfalen e. V.“, „Elternverein Nordrhein-Westfalen e.V.“, „Landesverband NRW der Eltern und Förderer sprachbehinderter Kinder und Jugendlicher e. V.“, „wertevoll wachsen“.

 

Time for Change? Schulen zwischen demokratischem Bildungsauftrag und manipulativer Steuerung

Eine sehr gute Tagung, die wir gerne empfelhlen. Mehr Infos hier 


Eltern für eine gute Schule: Veranstaltung in Köln am 02.05.17

Zusammen mit der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW, dem Landesverband NRW der Eltern und Förderer sprachbehinderter Kinder und Jugendlicher und dem Verein „wertevollwachsen“ haben über 180 Besucher, den Bildungsexperte Dr. Matthias Burchardt und die Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. Elke Möller-Nehring interessiert verfolgt. Nach den Vorträgen gab es eine lebhafte Diskussion und einen intensiven Austausch. Mehr infos unter: www.eltern-fuer-eine-gute-schule.de

Turbo-Abi: G8 oder G9?

Düsseldorf – Der Schulstreit in NRW scheint wieder aufzuflackern. Besonders die Schulzeit-Dauer für Abiturienten ist ein Zankapfel zwischen Politik, Lehrern und Eltern.

 

 

“Wir Eltern erleben oft Kinder, die erschöpft sind”

 


Top-Themen: Pisa-Studie

http://www.ksta.de/kultur/koelner-wissenschaftler-matthias-burchardt–pisa-studie-ist-manipulativer-zahlensalat


Pressegespräch für die Beibehaltung der Verbändemitwirkung

Am 08. März 2016 trafen sich die bedeutendsten Elternverbände Nordrhein-Westfalens in der Geschäftsstelle des Philologenverbandes in Düsseldorf mit der Presse und erläuterten ihre Ablehnung einer Änderung der Elternmitwirkung.

Von links nachrechts: Reiner Brüggemann, Landeselternschaft der Realschulen NRW, Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbands NRW, Johannes Papst, Vorsitzender der Landeselternschaft der Realschulen NRW, mich kennst Du ja, Jochen-Peter Wirths, Vorsitzender des Landesverbandes NRW der Eltern und Förderer sprachbehinderter Kinder und Jugendlicher e. V., Ulrich Czygan, Vorsitzender der Landeselternschaft Gymnasien NRW, und Dr Herbert Heermann, Vorsitzender der Katholischen Elternschaft Deutschland, NRW-Landesverband.


Von Auflösung bedrohte Schulen sie sind zu retten.  

Ein Weg: Bürgerbegehren Merkblatt für Eltern

Ausgangslage
In Nordrhein-Westfalen gibt es viele Formen weiterführender Schulen: Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen und Sekundarschulen. Und die Zahl von Schülerinnen und Schülern geht zurück und das Geld für Schulen auch. Die Städte und Gemeinden müssen vorab für die Zukunft ihre Schulen planen. Sie sollen möglichst das bestehende Angebot an Schulformen erhalten, müssen aber Schüleraufkommen sowie Mindestschülerzahlen für die Schulformen in die Planungen einbeziehen. Das kann die Schließung von Schulen nötig machen. Städte und Gemeinden müssen jedoch auch den Elternwillen berücksichtigen! Für die Art und Weise, wie der Elternwille ermittelt wird, fehlen Regelungen.

Hier zum gesamten Leitfaden.