|
|
Vernetzte Schüler = bessere Schüler? Alle Schulen ans Netz! Jedem Schüler sein Laptop verbunden mit einem Internetzugang! Nach wie vor ist die Computerbegeisterung in NRW wie auch im gesamten Bundesgebiet ungebrochen. Durch den Einsatz von PCs versprechen sich die Schul- und Bildungsminister einen wesentlich besseren Unterricht und damit endlich ein Anwachsen der Bildungsqualität. In Amerika dagegen ist man zur Zeit dabei, sich von diesem Irrglauben zu verabschieden. Anerkannte Computerwissenschaftler warnen aus unterschiedlichsten Gründen vor einer solchen Überbewertung des Computers. Anfang dieses Jahrs erschien das neue Buch von Clifford Stoll, der schon 1972 beim Aufbau des Internet-Vorläufers „Arpanet“ beteiligt war. Sein Titel lautet: „Logout – Warum Computer nichts im Klassenzimmer zu suchen haben“ (Fischer Verlag). „Ich glaube“, so Stoll, „daß ein guter Lehrer ohne Computer auskommt. Und ich glaube, daß eine schlechte Schule auch nicht viel besser wird, wenn sie die schnellsten Internetanschlüsse einrichtet.“ Bildung sei nicht virtuell zu vermitteln. Ein Lehrer habe wesentliche pädagogische Aufgaben und sei mehr als ein Moderator im Internet-Café. Stoll kritisiert die gewaltigen Kosten für die vernetzten Computer, den Kampf gegen das immerwährende Veralten und die noch größeren Folgekosten, verursacht durch die ständigen Schwierigkeiten mit der Soft- und Hardware. Der Traum vom Laptop für jeden Schüler könnte schnell zum Alptraum werden, wenn eine ganz normale Schulstunde unversehens zum reinen Computertraining wird. Kann nur ein Schüler sein Laptop nicht starten, weil das Programm einen Virus hat, kostet das die gesamte Klasse wertvolle Unterrichtszeit. Folglich müßten sich eigentlich alle Schulen Techniker leisten. Damit aber übersteigen die Unterhaltskosten sehr schnell den Kaufpreis eines Laptops, der selten 6 Jahre überlebe. Angesichts dieser Erkenntnisse fragt Stoll, ob das Geld für Computer und Lernsoftware nicht besser für gute Schulbücher und Lehrer ausgegeben werden sollte, denn um aus Daten Informationen und Wissen zu machen, bedürfe es richtiger Lehrer. Dieser Meinung ist auch Professor Dr. Josef Weizenbaum, Computerwissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology von 1963 bis 1988. Er habe nichts gegen Computer in Schulen – aber nicht in jedem Klassenzimmer. Ein Computer gibt auf konkrete Fragen zumeist keine Antwort. „Sie suchen Informationen zu der recht einfachen Frage, warum Holz auf Wasser schwimmt. Was geben Sie dann ein? Holz? Wasser? Mit beidem werden Sie nicht weit kommen.“ Ungenaue Fragen dagegen beantwortet der Computer mit einer derart großen Informationsmenge, aus der wiederum nur Schüler mit guten Kenntnissen sinnvoll auswählen können. ...“Wenn man etwas neu in die Schule einführt, muß etwas Altes raus. Denn die Schule hat nicht nur ein Geldbudget, sondern auch ein Budget für Zeit. Das bedeutet, daß die Entscheidung, Computer in die Schule einzuführen, auch eine Frage der Prioritäten ist. Die allerhöchste Priorität überhaupt ist, den Schülern ihre eigene Sprache beizubringen. Und es ist doch klar, daß die Schule heute diese Priorität nicht erfüllt. Den Umgang mit dem Computer lernen die Kids in den „peer groups“ übrigens wirklich schneller.“... (Aus einem Interview mit der Zeitschrift „Forum Lesen“) Der Computer hat seinen Platz in unseren Schulen – ohne Zweifel! Wir sollten uns aber von einer euphorischen Computerbegeisterung nicht infizieren lassen. Der PC ist ein Unterrichtsmittel unter vielen, jedoch kein Unterrichtsallheilmittel, und damit geht die Gleichung „vernetzte Schüler = bessere Schüler“ so nicht auf. Walburga Stürmer Elternverein
Nordrhein-Westfalen e. V.
|
____________________ | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: webmaster@elternverein-nrw.de
|