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PISA Schlaglichter |
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Thelma von Freymann, gebürtige Finnin, zuletzt
akad. Oberrätin an der Universität Hildesheim, "Warum können finnische Jugendliche so viel besser lesen als deutsche, ...? 1. Finnland hat lange, kalte und dunkle Winter und darum von Alters her eine Lesetradition, für die südlich der Ostsee keine Entsprechung existiert. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Analphabetenrate Finnlands die niedrigste der Welt, 3,8 %. Es wird einfach sehr viel mehr gelesen als in Deutschland. Der hohe gesellschaftliche Stellenwert des Lesens färbt auf die Wahrnehmung von Kindern ab und trägt zu ihrer Motivation bei. 2. Finnische Kinder werden Mitte August in dem Jahr eingeschult, in das ihr 7. Geburtstag fällt. Normalerweise können sie zu Weihnachten fließend lesen. Das liegt an der Sprache selbst. Finnisch liest sich unvergleichlich viel leichter als Deutsch, denn die Orthographie ist vollkommen phonetisch. Daß da s-i-e-b- steht, man aber "siip" lesen muß, kommt nicht vor. Jedem Laut entspricht ein und nur ein Buchstabe. Niemals kann ein und derselbe Buchstabe einmal diesen, einmal jenen Laut bezeichnen wie im Deutschen (Vase - Vater). ... 3. Ausländische Fernsehbeiträge und Kinofilme werden nicht synchronisiert, sondern untertitelt. Gerade diejenigen, die am wenigsten Bücher lesen, aber am meisten vor dem Fernseher sitzen, absolvieren also ein tägliches Training schnellen , sinnerfassenden Lesens. Da sie das freiwillig tun - sie wollen ja fernsehen! - ist der Effekt erheblich. 4. Die Ausländerquote liegt in Finnland bei knapp 2 %. ... Außerdem wird jedem Kind, das aus dem Ausland kommt, von Staats wegen eine Landessprache beigebracht, ehe es in eine normale Klasse gesetzt wird. Schüler, die dem Unterricht aus sprachlichen Gründen nicht folgen können, gibt es also nirgends. 5. Die durchschnittliche Klassenfrequenz beträgt in Finnland 19.5 - in Deutschland 24, 1. 6. Es gibt keinen nennenswerten Unterrichtsausfall. Jeder Schulträger hat eine "Vertretungsreserve". ... 7. Der entscheidende Faktor ist das Fördersystem. Innerhalb der Regelschule fängt es die schwachen Schüler auf. ..." Auszug aus dem Statement für das PISA-Forum am 22.4.2002 in Hildesheim
Prof. Dr. Hermann Giesecke, Erziehungswissenschaftler aus
Göttingen, "Die sogenannte 'Neue Lernkultur' ... korrespondiert mit jenem antistaatlichen Affekt, den die Achtundsechziger bis heute erfolgreich propagiert und zumindest in der älteren Lehrerschaft fest verankert haben. Demnach hat der Staat keine Ansprüche zu erheben, sondern die Mittel für das Wohlbefinden seiner Bürger bereit zu stellen. Eine Schule, die Leistungsanforderungen an die Schüler stellt, gilt somit als eine Zumutung an deren Persönlichkeit. ... Die Schule habe sich nach den Bedürfnissen des Kindes zu richten, nicht umgekehrt. ... Die falsch verstandene Subjektorientierung von der Grundschule an hat übrigens nicht unwesentlich zur Benachteiligung der Kinder aus bildungsfernen Familien und damit zur Vertiefung der Chancenungleichheit beigetragen, wie sie sich in der PISA-Studie erwiesen hat. Sie entspricht nämlich dem häuslichen Milieu von Mittelschichtkindern und verstärkt es somit. Kinder aus bildungsbenachteiligten Familien jedoch müssen sich mit Hilfe der Schule von ihrem Familienhintergrund teilweise emanzipieren ... Das einzige Kapital, das diese Kinder von sich aus vermehren können, sind ihr Wissen und ihre Manieren, dafür brauchen sie aber eine Schule, in der der Lehrer nicht nur 'Moderator' für 'selbstbestimmte Lernprozesse' ist, sondern die Führung übernimmt und die entsprechenden Orientierungen vorgibt. Gerade das sozial benachteiligte Kind bedarf, um sich aus diesem Status zu befreien, eines geradezu altmodischen, direkt angeleiteten, aber auch geduldigen und ermutigenden Unterrichts, wie alle Lernforschung zeigt. Die Schulreformpädagogik der letzten Jahrzehnte hat entgegen ihren Beteuerungen für diese Kinder gar nichts bewirkt. ..." Auszug aus einem Essay für den NDR,
PISA-Studie zum Bildungsniveau der Eltern "Einschlägigen Forschungsarbeiten ist durchgängig zu entnehmen, daß das Bildungsniveau der Eltern trotz der erheblichen Bemühungen der Länder um Gewährleistung gleicher Bildungschancen für alle weiterhin eine wichtige Ursache von Unterschieden in den Schülerleistungen ist. Ein besonders förderliches Lernumfeld im Elternhaus, zu dem ein hoher Bildungsabschluß des Vaters oder der Mutter beitragen kann, wird sich wahrscheinlich in höheren Bildungsergebnissen der Kinder niederschlagen. Ein solches günstiges Umfeld kann nicht nur in Form der finanziellen Mittel zum Ausdruck kommen, die für die Bildung der Kinder ... aufgewendet werden, sondern ebenfalls in Form regelmäßiger Interaktionen zwischen Eltern und Kindern, die für die Art der von den Schulen vermittelten Bildung von größerem Wert ist. ... Die Bildung der Mutter wurde gewählt, da sie in der Fachliteratur häufig als stärkerer Prädikator für die Schülerleistungen identifiziert wurde als die Bildung des Vaters. Schülerinnen und Schüler, deren Mütter die Sekundarstufe II abgeschlossen haben, weisen in allen Ländern höhere Lesekompetenzen auf als andere Schüler, und in den meisten Ländern bedeutet der Hochschulabschluß der Mutter einen zusätzlichen Vorteil. ..." Aus: "Lernen für das Leben", OECD-Internationale Leistungsstudien, S. 175
Dieter Wunder, langjähriger Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft, "...indem allerdings die deutschen Gesamtschulen den von PISA herausgestellten positiven Förderprinzipien weithin nicht entsprechen, ergibt sich die schwierige Situation, daß die Gesamtschule im Prinzip durch PISA gestärkt ist, aber die deutsche Gesamtschule nicht. ..." 14 Thesen zur Entwicklung der Gesamtschule, vorgetragen auf dem Gesamtschultag der GEW NRW am 15. 3. 02 in Rheydt Dr.
Gisela Friesecke Elternverein
Nordrhein-Westfalen e. V.
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