Nein zu integrierten Schulen !

JA zu Hauptschule, Realschule und Gymnasium -

                                         NEIN zu integrierten Schulen !

In den  internationalen Studien PISA und IGLU und deren Ergänzungen sehen die Schulleistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler nicht gut aus. Eltern, Ausbilder und Hochschullehrer wußten schon lange um die Mängel und Defizite. Es liegt nahe, die Schulen in  den Ländern zu betrachten, die bei den internationalen Vergleichsuntersuchungen besser abschnitten.

Das Musterland bei der PISA-Studie, Finnland, hat ein integriertes Schulsystem, also leistungsgemischte Lerngruppen. Seit die Ergebnisse dieser Studie bekannt wurden, erheben die Gesamtschulbefürworter hierzulande ihre Stimme und fordern die Umgestaltung des mehrgliedrigen Schulsystem in ein integriertes. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts verfolgte die SPD in NRW solche Pläne. Das erfolgreiche Volksbegehren 1978 gegen die Zwischenstufe  "Kooperative Schule" ließ sie davon Abstand nehmen. Die integrierte Gesamtschule wurde nicht anstelle von Hauptschule, Realschule und Gymnasium eingeführt, sondern lediglich als zusätzliches Angebot. Die guten PISA-Ergebnisse Finnlands gegenüber den schlechten Deutschlands und die bessere Platzierung Deutschlands bei der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) - alle Grundschulen sind der Struktur nach integrierte Gesamtschulen - ließen  frühere Wünsche nach integrierten Schulen wieder aufleben. Die Partei der Grünen hat sich stets für eine Umwandlung aller weiterführenden Schulen in  integrierte Schulen ausgesprochen.

 

Vier Gründe für das Nein:

1.  Finnische Schulen unterrichten unter ganz anderen Voraussetzungen

Im dünn besiedelten Finnland haben 40 % aller Schulen weniger als 50 Schüler und nur 3 % mehr als 500.  In vielen finnischen Klassen steht noch das Lehrerpult vorn, die Kinder sitzen an Einzelpulten und die Lehrkräfte geben weitgehend Frontalunterricht. Lesen und Rechtschreiben sind für Finnen viel leichter zu erlernen als für Deutsche, weil in der finnischen Sprache jedem Laut nur ein Buchstabe zukommt. Filme und Fernsehbeiträge aus dem Ausland werden nicht synchronisiert , sondern nur untertitelt, so daß fast alle Kinder ein eigenes Interesse daran haben, rasch und sinnerfassend lesen zu können. Jedem Kind  ausländischer Muttersprache wird eine der beiden Landessprachen (Finnisch oder Schwedisch) beigebracht, ehe es in eine Schulklasse aufgenommen wird.  In Finnland geht man nicht davon aus, daß Kinder von Kindern lernen. Vielmehr gibt es für meist drei Klassen eine zusätzliche Lehrkraft mit entsprechender zusätzlicher Ausbildung, die sich jeweils der Schüler und Schülerinnen annimmt, die Schwächen zeigen. Dieses Fördersystem trägt entscheidend zum Schulerfolg aller bei.

Die finnischen Schulen sind folglich in keiner Weise mit deutschen Gesamtschulen vergleichbar.

 

2. Ursächlich für die schlechten Leistungen deutscher Schüler ist   n i c h t  das mehrgliedrige Schulsystem.

Die PISA-Studie enthält nicht nur einen Schulleistungsvergleich verschiedener Staaten, sondern eine deutsche Ergänzungsstudie gestattet außerdem einen Schulleistungsvergleich deutscher Bundesländer. Im innerdeutschen Vergleich spielt NRW keine führende Rolle. Ein Blick auf die in Deutschland bei den Schulleistungen an der Spitze stehenden Bundesländer sollte deshalb ebenso naheliegen wie der Blick auf das Ausland. Ermittelte Punktwerte zur mittleren Lesekompetenz zeigen, daß Bayern deutlich über (510 Punkte) und Baden-Württemberg auf dem OECD-Durchschnitt (500 Punkte) liegen, hinter dem Deutschland insgesamt zurückbleibt (484 Punkte). Beide Bundesländer führen Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien und keine integrierten Gesamtschulen als Regelschulen. Nordrhein-Westfalen mit der hohen Zahl von 215 integrierten Gesamtschulen bleibt unter dem deutschen Durchschnitt  (482 Punkte). Schlußlicht ist Bremen (448 Punkte).  Bremen hat weder Haupt-, noch Realschulen, allerdings inzwischen wieder einige  Gymnasien  neben integrierten Schulen, nachdem vor Jahren Eltern selbst um Gymnasien in  freier Trägerschaft kämpfen mußten. Bei den Mittelwerten der mathematischen Leistungen schaffen die Schulen in  Bayern und  Baden-Württemberg ebenfalls die höchsten Punktwerte - hier beide über dem OECD-Durchschnitt. Nordrhein-Westfalen  steht unter 14 Bundesländern auf Platz 10, Bremen  wieder am Schluß - beide unterhalb des Bundesdurchschnitts Die Tabelle der Mittelwerte der naturwissenschaftlichen Grundbildung zeigt fast die gleiche Reihenfolge, nur Nordrhein-Westfalen findet sich auf Platz 11, aber wiederum schon unterhalb des deutschen Durchschnitts. 

Diese Betrachtung zeigt, daß in Deutschland Bundesländer ohne Gesamtschulen bessere Leistungen erbringen als jene mit vielen integrierten Schulen. Also müssen wohl andere Ursachen schlechte Schulleistungen bewirken als das gegliederte Schulsystem. Anzumerken ist, daß es sich bei den erfolgreicheren  Ländern  um langjährig von CDU oder CSU regierte handelt,  bei den erfolgloseren um langjährig SDP-regierte.

 

3.  Weiterführende integrierte Schulen haben in Deutschland geringeren Fördereffekt

Vor Einführung der integrierten Gesamtschule als Regelschule in NRW 1981 hatte das Kultusministerium Schulleistungsvergleiche zwischen Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien und den im Versuchsstadium bestens ausgestatteten Gesamtschulen durchführen lassen. Die Wissenschaftler hatten damals festgestellt, daß die Gesamtschüler generell in Deutsch, Mathematik und Englisch geringere Leistungen aufwiesen als die entsprechenden Schüler aus den herkömmlichen Schulen.  Neuere spezielle Vergleichsuntersuchungen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB), veröffentlicht in der Zeitschrift  "Pädagogik" im Juni 1998,  zeigten beachtliche Leistungsvorteile der Schülerinnen und Schüler an Realschulen und Gymnasien gegenüber jeweils gleichbegabten mit gleichem sozialen Hintergrund  an Gesamtschulen. Realschüler hatten in Mathematik in Klasse 10  einen Leistungsvorsprung von fast 2 Schuljahren, die Gymnasiasten von mehr als zwei Schuljahren. Zwischen Hauptschülern und gleichbegabten Gesamtschülern zeigte sich ein annähernder Leistungsgleichstand.  Schon 1980 hatte das MPIB Berliner Gesamtschullehrer nach ihren Erfahrungen zum Unterricht in leistungsgemischten Klassen befragt, deren negative Bewertung jedoch erst 1997 veröffentlicht.

Bereits die Fortführung leistungsgemischter Lerngruppen über die vierjährige Grundschule hinaus bewirkt Leistungsminderungen. Dies hat das MPIB  mit einer Untersuchung zwischen 1968 und 1970 herausgefunden, als es die Leistungen von Gymnasiasten in Klasse 7 verglich, die nach Klasse 4 auf das Gymnasium gewechselt hatten und anderen, die erst nach Klasse 6 dahin kamen. Veröffentlicht wurden diese Ergebnisse erst 1991.

Gute Ergebnisse von Grundschulen, die alle integrierte Schulen sind, stehen diesen Erkenntnissen nicht entgegen.  Die Schere von Vorwissen und Lernfähigkeit zwischen Kindern öffnet sich immer weiter, je älter diese werden, und damit wird es für Unterrichtende zunehmend schwieriger bis unmöglich, individuellen Leistungsständen gerecht zu werden.

Sicher kann man die wissenschaftlichen Untersuchungen noch erweitern und vertiefen. Offensichtlich hat aber kein politisches Interesse an weiteren Forschungen bestanden, um das Risiko ergänzender negativer Ergebnisse zu vermeiden. Verspätete Veröffentlichungen stützen diese Annahme.

 

4.  Schulleistungen leiden, wenn Bildung einen zu geringen Stellenwert in Gesellschaft und Politik erhält

Die gesellschaftskritischen Bestrebungen von 1968 änderten allmählich das Wertebewußtsein der Gesellschaft und die Einstellung zu Bildung und Erziehung. Sie beeinflußten in besonderem Maß die Schulen.

Beispielsweise wurden:

  • Leistungsforderungen in die Nähe von Ausbeutung gerückt

  • Unterrichtsinhalte als weniger wichtig gegenüber Unterrichtszielen betrachtet

  • Lernen von Regeln, Formeln und Geschichtszahlen abgelehnt

  • Üben und Wiederholen als sinnloses Pauken verunglimpft.

Hinzu kam die Abwertung wesentlicher Arbeitshaltungen und sozialer Tugenden: Sorgfalt, Genauigkeit, Pünktlichkeit und Ordnung wurden als bedenkliche Sekundärtugenden beiseite geschoben, Sauberkeit, Höflichkeit, Rücksichtnahme und  Disziplin als Einschränkung der eigenen freien Entfaltung infragegestellt.

Dort, wo sich diese Ziele des Schutzes und der Förderung herrschender Parteien erfreuten, veränderten sich Schulen spürbarer und sanken die Schülerleistungen merklich.

 

Fazit: Bessere Schülerleistungen in NRW und in Deutschland lassen sich nicht mit mehr Integration im Schulwesen erreichen, sondern mit einer bejahenden Haltung zu Bildung und Erziehung. Schule darf keine Veranstaltung von Spaß und Beliebigkeit sein. Die Bemühungen der politisch Verantwortlichen müssen gutem Unterricht und hoher Lernbereitschaft bei Schülern und Schülerinnen gelten. Dann haben die jungen Menschen Erfolg und Erfolg macht Spaß!

 

45136  Essen, im Juni 2003

Verantwortlich: W. Stürmer, Dr. G. Friesecke

 

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Stand: 07. November 2006