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Elternwille ade
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„Elternwille“:Einmal und nie wieder! Löhrmanns Lieblingssatz: „Keiner wird
gezwungen.“ Und der zweite: „Wir können die Eltern nicht beeinflussen.“
Diese beiden Sätze sagt sie gern in einem Atemzug. Das klingt ja so beruhigend!
Wie läuft denn aber die Umwandlung einer Realschule, einer Hauptschule zur
„Gemeinschaftsschule“? Der Rat der Gemeinde oder Stadt läßt von einem
„Bildungsexperten“ von Einrichtungen wie „Institut für
Schulentwicklungsforschung“, „Projektgruppe Bildung und Region“ oder
„Lehrstuhl für pädagogische Forschung“ ein teures Gutachten erstellen.
Darin steht, eine „Gemeinschaftsschule“ sei die Lösung aller sozialen,
demographischen und finanziellen Probleme der Kommune. Der Rat beschließt
dieses Gutachten dann unter der Bezeichnung „Schulentwicklungsplan“
einschließlich der Festlegung, welche Schulen dafür geschlossen werden müssen.
Als nächster Schritt werden Eltern befragt: die Eltern der dritten und vierten
Klassen der Grundschulen im Umkreis. Ihnen erzählt man viel von der
„Freihaltung des Lebensweges“, von „gymnasialen Standards“, von „länger
gemeinsam lernen“, von „Verzicht auf Aussortieren“.
„Gemeinschaftsschule“ klingt ja schon so kuschelig und anheimelnd und nach
großer harmonischer Gemeinschaft, und die Grundschuleltern beantworten den
Fragebogen wahrheitsgemäß: zu solch einer Schule würden sie ihr Kind gern
schicken. Gleichzeitig dürfen die Eltern der fünften,
sechsten, siebten, achten, neunten und zehnten Klassen an den Haupt- und
Realschulen, die laut Ratsbeschluß geschlossen werden, ihre Meinung sagen –
aber die ist unmaßgeblich, denn der „Bedarf“ ist festgestellt: der
(wessen?) „Elternwille“ fordert die „Gemeinschaftsschule“. Dann werden
die auslaufenden Schulen aufgeteilt, Klassen verlagert in andere, ältere Gebäude,
ganze Schulen an andere Standorte verlegt, weil ihr jetziges schönes Gebäude für
die neue „Gemeinschaftsschule“ vorgesehen ist, und: diese Schulen dürfen ab
sofort keine neuen Schüler mehr aufnehmen! Zuerst wandern die guten Lehrkräfte
ab und lassen sich zu gesicherten Schulen versetzen, nach und nach auch alle
anderen; zuletzt ist es „organisatorisch nicht mehr zumutbar“, für ein oder
zwei Klassen den Betrieb aufrechtzuerhalten, und die Abschlußklassen müssen
sich – während ihrer Vorbereitungen auf die Prüfungen! – auf andere Orte,
andere Wege und andere Lehrer einstellen. Das Tollste aber ist: demnächst gibt es keine Wahl mehr zwischen Hauptschule, Realschule und Gymnasium: die Einheitsschule ist die einzige, die noch existiert! „Elternwille“ ade! Regine Schwarzhoff, August 2011 |
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