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Pressemitteilung Schluß mit der Benachteiligung von Jungen in Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I das ist Anliegen des Elternvereins NRW, sagte die Landesvorsitzende des Vereins, Walburga Stürmer, in Düsseldorf. So wichtig und richtig es vor Jahrzehnten gewesen sei, die Förderung der Mädchen zu verbessern, so habe doch dieses Ziel zu einem Tunnelblick geführt, der die Jungen ausgrenzte. Das zeige sich noch heute darin, daß das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik in Düsseldorf in seinen Übersichten Zahlen über die Schülerschaft insgesamt veröffentlicht, etwa bei Übergängen in weiterführende Schulen und bei Schulabschlüssen, und dazu die Zahlen über die Schülerinnen. Die Zahlen über die Jungen fehlen. Den schulischen Erfolgen der Mädchen wurde große Aufmerksamkeit zuteil. Als sich jedoch vor einigen Jahren herausstellte, daß in den koedukativen Schulen häufig die Jungen den Mädchen in Mathematik und Naturwissenschaften überlegen waren, habe der Ruf nach Abhilfe nicht auf sich warten lassen. Der Elternverein NRW hat sich nun in einem Schreiben an die Schulministerin, Frau Ute Schäfer, gewandt und gebeten, so rasch wie möglich dafür zu sorgen, daß in unserem Land Mädchen und Jungen gleiche Lernchancen in den Schulen erhalten. Folgende statistischen Zahlen sind besonders alarmierend: l trotz einer höheren Zahl von Jungen im Jahrgang gehen mehr Mädchen als Jungen nach dem 4.Grundschuljahr auf das Gymnasium
l von den Schulabgängern ohne Abschluß sind rund ein Drittel Mädchen und zwei Drittel Jungen.
Der Elternverein ist den Gründen nachgegangen. Im Schreiben an Frau Ministerin Schäfer heißt es dazu: "Entgegen der Gleichheitsideologie auf der einen Seite und gesellschaftlichen Rollenvorstellungen auf der anderen Seite liegen den Unterschieden der Geschlechter in den Lernerfolgen biologische Verschiedenheiten zugrunde, die bisher in den Schulen weitgehend außer acht gelassen wurden." Dies sind: l Nach neuerer Gehirnforschung sind die beiden Gehirnhälften des Menschen unterschiedlich strukturiert. Sie werden bei zu lösenden Problemen bei Männern und Frauen unterschiedlich aktiviert, bei Frauen sind eher beide Gehirnhälften ausgeglichen aktiv, bei Männern die eine stärker als die andere. Daraus wird geschlossen, daß Mädchen in der Sprach-, Lese- und Verständniskompetenz bessere Ausgangsbedingungen besitzen als Jungen, denen Vorteile bei räumlichen und mathematischen kognitiv-abstrakten Aufgaben zukommen. l Wie lange bekannt, beeinflussen die bei Frauen und Männern verschieden ausgeprägten, auf die Sexualität wirkenden Hormone auch das Verhalten. Daß das Lernverhalten davon nicht ausgenommen ist, hat man bisher zu wenig beachtet. Der Elternverein NRW erkennt an, daß das Schulministerium Hinweise zur reflexiven Koedukation gegeben hat, als die Nachteile der Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern aufgefallen waren. Diese Hinweise reichen jedoch in keiner Weise aus, um Mädchen und Jungen gleiche Chancen einzuräumen. Auch die Regelungen im neuen Entwurf von Grundschulrichtlinien werden den Bedürfnissen der Jungen nicht gerecht. Der Elternverein NRW fordert: Die neuen Richtlinien für die Grundschule müssen grundsätzlich auf die Verschiedenheiten der Lerndisposition von Jungen und Mädchen eingehen und den Schulen zur Aufgabe machen, gleichwertige Lernchancen herzustellen. Des weiteren bedarf es so rasch wie möglich gezielter Hilfen für alle diejenigen Kinder und Jugendlichen, die sich bereits in ihrer Schullaufbahn befinden. Besonders dringend ist es, Wege zu finden, um die hohe Zahl männlicher Schulabgänger ohne Abschluß zu verringern. Ein großer Teil von ihnen neigt zu sozial inadäquatem Verhalten und bildet damit eine Gruppe mit brisantem Konfliktstoff für die Gesellschaft. Als mögliche Maßnahmen hat der Elternverein NRW der Schulministerin vorgeschlagen: l das Prinzip der "reflexiven Koedukation" sehr erweitert anzuwenden, und zwar bereits in der Grundschule zeitweise für Lesen und Schreiben sowie in der Hauptschule in den Klassen 7-9 für Deutsch und Mathematik, l in die Lehrerausbildung und in die Lehrerfortbildung Informationen über die unterschiedliche Veranlagung und die unterschiedliche Entwicklung von Mädchen und Jungen ebenso aufzunehmen wie Hinweise auf unterschiedliche Formen der Förderung, l die Berufe des Erziehers und des Grundschullehrers attraktiver auszugestalten, sodaß diese auch von jungen Männern gewählt werden, l bei der Besetzung von Lehrerstellen eine Ausgewogenheit zwischen Lehrerinnen und Lehrern anzustreben. Düsseldorf, den 8. Mai 2003 Verantwortlich: W.Stürmer, Elternverein NRW e. V. (Tel.: 0201 / 440864) -------------------------------------------------------------------------------------- Geschlechtsspezifische
Gehirnfunktionen Interview mit Prof. Dr.
Henning Scheich, Magdeburg Zur
Frage geschlechtsspezifischer Gehirnfunktonen führte Christa Ley,
Vorstandsmitglied des Elternvereins NRW, am 2 April 2003 ein Telefon-Interview
mit Prof. Dr. Henning Scheich, Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie
in Magdeburg, einem Zentrum für Lern- und Gedächtnisforschung. Prof.
Dr. Scheich bestätigte, daß Frauen von Natur aus durch die Anlage ihres
Gehirns eine bessere Sprachkompetenz mitbringen, vor allem im kommunikativen,
sozialen Bereich. Männer hingegen besitzen ein besseres räumliches
Vorstellungsvermögen. Unterschiedliche
Probleme aktivieren die Gehirnhälften bei Männern und Frauen auf
unterschiedliche Art. Bei Frauen sind eher beide Gehirnhälften ausgeglichen
aktiv, bei Männern findet eine verstärkte Lateralisierung statt, d.h. beide
Hirnhälften arbeiten, aber je nach Aufgabenstellung ist eine Hälfte stärker
aktiv als die andere, so z.B. bei der Sprache die linke Hälfte (bei
Rechtshändern), bei räumlichen Aufgaben die rechte.
Daraus
ist zu schließen, daß Sprachkompetenz, Lese- und Verständniskompetenz
bei Jungen im Verhältnis zu Mädchen einer verstärkten Förderung
bedürfen, um gleiche Leistungen zu erreichen. Mangelndes Lesen und Vorlesen
können nicht durch Fernsehen und Computer wettgemacht werden. Prof.
Dr. Scheich wies auf den Forschungsbericht 2000/2001 eines Speziallabors seines
Institutes hin. Dort ist festgestellt, daß sich in Versuchen
geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Amygdala Aktivierung zeigen. Sie
legen einen allgemeinen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der
Verarbeitung sozialer und biologischer Reize nahe. Prof. Dr. Henning Scheich ist
erreichbar unter der Telefon Nr.: 0391/ 62 63 219. weitere Literatur (Redaktion) --------------------------------------------------------- JUNGEN
OHNE SCHULABSCHLUSS BESONDERS GEFÄHRDET Besonders
besorgniserregend ist die große Anzahl männlicher Schulabgänger, die
überhaupt keinen regulären Schulabschluß zu erwerben vermochten. Hier braut
sich zum einen persönliches Unglück, zum anderen aber auch ein gefährliches
gesellschaftliches Problem zusammen. Diese
Bildungsverlierer gehören zu den in der Shell-Studie 2002 sogenannten „robusten
Materialisten“, immerhin 24 % aller Jugendlichen, die dazu neigen, auf ihre
schulischen und beruflichen Probleme häufig
mit der Demonstration äußerlicher Stärke zu reagieren. Das Bild, das die
Studie von diesen jungen Leuten zeichnet, ist für eine offene, demokratische
Gesellschaft, die auf freiwillig erbrachte Solidarität und nachbarschaftlich
politisches Engagement ihrer Bürger angewiesen ist, wenig beruhigend: Diese,
bevorzugt männliche Gruppe aus der Unterschicht und unteren Mittelschicht ist
unter Umständen bereit, sich das, was sie im fairen Wettbewerb nicht erlangen
kann, auf Kosten anderer zu beschaffen. Durchsetzung, Macht und Lebensstandard
spielen in ihrem Denken eine übergeordnete Rolle, Toleranz und soziales
Engagement hingegen keine. Auch ihr Respekt vor Gesetz und Ordnung bleibt
deutlich hinter dem der anderen Jugendlichen zurück. Obwohl unter ihnen
vermehrt „soziale underdogs“ zu finden sind, schauen sie dennoch auf sozial
Schwache und Randgruppen, wie z. B. Ausländer, die sie als
Wohlstandskonkurrenten empfinden, herab. Ihre politischen Anschauungen sind
häufig im rechten Bereich angesiedelt, ein kleiner Teil der Materialisten neigt
zu extremer Orientierung und politischer Gewaltbereitschaft. Diese Ablehnung ist
jedoch nicht primär in der Ablehnung des politischen Systems als solchem
begründet, sondern ist Folge der eigenen biografischen Belastungen. Das Fehlen
von Geld, Bildung und familiärem Rückhalt wird durch Demonstration von Stärke
und Aggression gegen Schwächere kompensiert. Am
lakonischen Ratschlag der Shell-Autoren kann der Ernst der Lage abgelesen
werden: „Bei einem Teil der Materialisten
... geht es zuallererst um
eine strenge Setzung von Grenzen, weil diese (auch besonders gewalterfahrene)
Gruppe keine andere Sprache versteht oder verstehen will. Erst wenn aggressive
oder radikale Jugendliche wieder das Regelwerk der Gesellschaft akzeptieren,
können 'weichere' Maßnahmen der Integration einsetzen“. Michaela v. Heereman, Elternverein NRW e. V. |
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