Benachteiligung von Jungen

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Pressemitteilung

Schluß mit der Benachteiligung von Jungen in Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I 

das ist Anliegen des Elternvereins NRW, sagte die Landesvorsitzende des Vereins, Walburga Stürmer, in Düsseldorf. So wichtig und richtig es vor Jahrzehnten gewesen sei, die Förderung der Mädchen zu verbessern, so habe doch dieses Ziel zu einem Tunnelblick geführt, der die Jungen ausgrenzte. Das zeige sich noch heute darin, daß das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik in Düsseldorf in seinen Übersichten Zahlen über die Schülerschaft insgesamt veröffentlicht, etwa bei Übergängen in weiterführende Schulen und bei Schulabschlüssen, und dazu die Zahlen über die Schülerinnen. Die Zahlen über die Jungen  fehlen. Den schulischen Erfolgen der Mädchen wurde große Aufmerksamkeit zuteil. Als sich jedoch vor einigen Jahren herausstellte, daß in den koedukativen Schulen häufig die Jungen den Mädchen in Mathematik und Naturwissenschaften überlegen waren, habe der Ruf nach Abhilfe nicht auf sich warten lassen.

Der Elternverein NRW hat sich nun in  einem Schreiben an die Schulministerin, Frau Ute Schäfer, gewandt und gebeten, so rasch wie möglich dafür zu sorgen, daß in unserem Land  Mädchen und Jungen gleiche Lernchancen in den Schulen erhalten.

Folgende statistischen Zahlen sind besonders alarmierend:

l         trotz einer höheren Zahl von Jungen im Jahrgang gehen mehr Mädchen als Jungen nach dem 4.Grundschuljahr auf das Gymnasium

1997/1998  1998/1999 1999/2000 2000/2001 2001/2002

Übergänger auf 
Gymnasien insgesamt

69.040

69.812

69528

67.754

69.074

weiblich

52,5%

52,5%

52,7%

52,1%

53,4%

männlich

47.5%

47,5%

47,3%

47,9%

46,6%


l         von den Schulabgängern ohne Abschluß sind rund ein  Drittel Mädchen und zwei Drittel Jungen.

Schulabgänger         1997                  1998                  1999              2000                 2001

Ohne Abschluß

11.485

11.482

11.516

11.906

13.418

weiblich

4.182 (36,4%)

4.094 (35,7%)

4.287 (37,2%)

4.379 (36,8%)

4.920 (36,7%)

männlich 7.303 (63,6%) 7.388 (64,3%) 7.229 (62,8%) 7.527 (63,2%) 8.498 (63,3%)

Der Elternverein ist den Gründen nachgegangen.  Im Schreiben an Frau Ministerin Schäfer heißt es dazu: "Entgegen der Gleichheitsideologie auf der einen Seite und gesellschaftlichen Rollenvorstellungen auf der anderen Seite liegen den Unterschieden der Geschlechter in den Lernerfolgen biologische Verschiedenheiten zugrunde, die bisher in den Schulen weitgehend außer acht gelassen wurden." Dies sind:

l         Nach neuerer Gehirnforschung sind die beiden Gehirnhälften des Menschen unterschiedlich strukturiert. Sie werden bei zu lösenden Problemen bei Männern und Frauen unterschiedlich aktiviert, bei Frauen sind eher beide Gehirnhälften ausgeglichen aktiv,  bei Männern die eine stärker als die andere. Daraus wird geschlossen, daß Mädchen in der Sprach-, Lese- und Verständniskompetenz bessere Ausgangsbedingungen besitzen als Jungen, denen Vorteile bei räumlichen und mathematischen kognitiv-abstrakten Aufgaben zukommen.

l         Wie lange bekannt, beeinflussen die bei Frauen und Männern verschieden ausgeprägten, auf die Sexualität wirkenden Hormone auch das Verhalten. Daß das Lernverhalten davon nicht ausgenommen ist, hat man bisher zu wenig beachtet.

Der Elternverein NRW erkennt an, daß das Schulministerium Hinweise zur reflexiven Koedukation gegeben hat, als die Nachteile der Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern aufgefallen waren. Diese Hinweise reichen jedoch in keiner Weise aus, um Mädchen und Jungen gleiche Chancen einzuräumen. Auch die Regelungen im neuen Entwurf von Grundschulrichtlinien werden den Bedürfnissen der Jungen nicht gerecht.

Der Elternverein  NRW fordert:

Die neuen Richtlinien für die Grundschule müssen grundsätzlich auf die Verschiedenheiten der Lerndisposition von Jungen und Mädchen eingehen und den Schulen zur Aufgabe machen, gleichwertige Lernchancen herzustellen. Des weiteren bedarf es so rasch wie möglich gezielter Hilfen für alle diejenigen Kinder und Jugendlichen, die sich bereits in ihrer Schullaufbahn befinden.  Besonders dringend ist es, Wege zu finden, um die hohe Zahl männlicher Schulabgänger ohne Abschluß zu verringern. Ein großer Teil von ihnen neigt zu sozial inadäquatem Verhalten und bildet damit eine Gruppe mit brisantem Konfliktstoff für die Gesellschaft.

Als mögliche Maßnahmen hat der Elternverein NRW  der Schulministerin vorgeschlagen:

l         das Prinzip der "reflexiven Koedukation" sehr erweitert anzuwenden, und zwar bereits in der Grundschule zeitweise für Lesen und Schreiben sowie in der Hauptschule in den Klassen 7-9 für Deutsch und Mathematik,

l         in die Lehrerausbildung und in die Lehrerfortbildung Informationen über die unterschiedliche Veranlagung und die unterschiedliche Entwicklung von Mädchen und Jungen ebenso aufzunehmen wie Hinweise auf unterschiedliche Formen der Förderung,

l         die Berufe des Erziehers und des Grundschullehrers attraktiver auszugestalten, sodaß diese auch von jungen Männern gewählt werden,

l         bei der Besetzung von Lehrerstellen eine Ausgewogenheit zwischen Lehrerinnen und Lehrern anzustreben.

Düsseldorf, den 8. Mai 2003

Verantwortlich:  W.Stürmer, Elternverein NRW e. V. (Tel.: 0201 / 440864)

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Geschlechtsspezifische Gehirnfunktionen

Interview mit Prof. Dr. Henning Scheich, Magdeburg

Zur Frage geschlechtsspezifischer Gehirnfunktonen führte Christa Ley, Vorstandsmitglied des Elternvereins NRW, am 2 April 2003 ein Telefon-Interview mit Prof. Dr. Henning Scheich, Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg, einem Zentrum für Lern- und Gedächtnisforschung.

Prof. Dr. Scheich bestätigte, daß Frauen von Natur aus durch die Anlage ihres Gehirns eine bessere Sprachkompetenz mitbringen, vor allem im kommunikativen, sozialen Bereich. Männer hingegen besitzen ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen.

Unterschiedliche Probleme aktivieren die Gehirnhälften bei Männern und Frauen auf unterschiedliche Art. Bei Frauen sind eher beide Gehirnhälften ausgeglichen aktiv, bei Männern findet eine verstärkte Lateralisierung statt, d.h. beide Hirnhälften arbeiten, aber je nach Aufgabenstellung ist eine Hälfte stärker aktiv als die andere, so z.B. bei der Sprache die linke Hälfte (bei Rechtshändern), bei räumlichen Aufgaben die rechte. 

Daraus ist zu schließen, daß Sprachkompetenz, Lese- und Verständniskompetenz  bei Jungen im Verhältnis zu Mädchen einer verstärkten Förderung bedürfen, um gleiche Leistungen zu erreichen. Mangelndes Lesen und Vorlesen können nicht durch Fernsehen und Computer wettgemacht werden.

Prof. Dr. Scheich wies auf den Forschungsbericht 2000/2001 eines Speziallabors seines Institutes hin. Dort ist festgestellt, daß sich in Versuchen geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Amygdala Aktivierung zeigen. Sie legen einen allgemeinen Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der Verarbeitung sozialer und biologischer Reize nahe.

Prof. Dr. Henning Scheich ist erreichbar unter der Telefon Nr.: 0391/ 62 63 219.
Sein Institut gehört auf dem Gebiet der Hirnforschung zur Weltspitze. 

weitere Literatur (Redaktion)

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JUNGEN OHNE SCHULABSCHLUSS BESONDERS GEFÄHRDET

Besonders besorgniserregend ist die große Anzahl männlicher Schulabgänger, die überhaupt keinen regulären Schulabschluß zu erwerben vermochten. Hier braut sich zum einen persönliches Unglück, zum anderen aber auch ein gefährliches gesellschaftliches Problem zusammen.

Diese Bildungsverlierer gehören zu den in der Shell-Studie 2002 sogenannten „robusten Materialisten“, immerhin 24 % aller Jugendlichen, die dazu neigen, auf ihre schulischen und beruflichen Probleme  häufig mit der Demonstration äußerlicher Stärke zu reagieren. Das Bild, das die Studie von diesen jungen Leuten zeichnet, ist für eine offene, demokratische Gesellschaft, die auf freiwillig erbrachte Solidarität und nachbarschaftlich politisches Engagement ihrer Bürger angewiesen ist, wenig beruhigend: Diese, bevorzugt männliche Gruppe aus der Unterschicht und unteren Mittelschicht ist unter Umständen bereit, sich das, was sie im fairen Wettbewerb nicht erlangen kann, auf Kosten anderer zu beschaffen. Durchsetzung, Macht und Lebensstandard spielen in ihrem Denken eine übergeordnete Rolle, Toleranz und soziales Engagement hingegen keine. Auch ihr Respekt vor Gesetz und Ordnung bleibt deutlich hinter dem der anderen Jugendlichen zurück. Obwohl unter ihnen vermehrt „soziale underdogs“ zu finden sind, schauen sie dennoch auf sozial Schwache und Randgruppen, wie z. B. Ausländer, die sie als Wohlstandskonkurrenten empfinden, herab. Ihre politischen Anschauungen sind häufig im rechten Bereich angesiedelt, ein kleiner Teil der Materialisten neigt zu extremer Orientierung und politischer Gewaltbereitschaft. Diese Ablehnung ist jedoch nicht primär in der Ablehnung des politischen Systems als solchem begründet, sondern ist Folge der eigenen biografischen Belastungen. Das Fehlen von Geld, Bildung und familiärem Rückhalt wird durch Demonstration von Stärke und Aggression gegen Schwächere kompensiert.

Am lakonischen Ratschlag der Shell-Autoren kann der Ernst der Lage abgelesen werden: „Bei einem Teil der Materialisten  ...  geht es zuallererst um eine strenge Setzung von Grenzen, weil diese (auch besonders gewalterfahrene) Gruppe keine andere Sprache versteht oder verstehen will. Erst wenn aggressive oder radikale Jugendliche wieder das Regelwerk der Gesellschaft akzeptieren, können 'weichere' Maßnahmen der Integration einsetzen“.

Michaela v. Heereman, Elternverein NRW e. V.

 

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Stand: 22. Januar 2007