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JETZT NEUE LEHRPLÄNE FÜR DIE GYMNASIALE OBERSTUFEDie internationalen Vergleichsuntersuchungen von Schülerleistungen haben deutschen Schulen schlechte Zeugnisse ausgestellt, zuletzt noch TIMSS III für die gymnasiale Oberstufe (siehe EB Nr. 96). Wer denkt, das Schulministerium hätte mit neuen Lehrplänen diesen Ergebnissen Rechnung tragen wollen, der irrt leider. Das Ministerium hatte dem Elternverein NRW als mitwirkungsberechtigtem Verband im Oktober Richtlinien und 30 Lehrpläne im Entwurf übersandt - mit Frist zur Stellungnahme bis zum 30.11.1998. So kurzfristig alle Entwürfe zu beurteilen, war trotz sachverständiger Hilfe unmöglich. Wir mußten uns beschränken. Generell ist zu sagen, daß die für alle Fächer geltenden Richtlinien und viele Lehrpläne eher Visionen der Denkschrift umsetzen, als Qualitätsmaßstäbe anheben und sichern. Die Richtlinien Der Elternverein NRW begrüßt, daß die "Aufgaben und Ziele der gymnasialen Oberstufe" in allgemeinen Richtlinien behandelt werden. Es ist auch richtig, daß neben dem fachspezifischen Lernen fachübergreifendes und fächerverbindendes seinen Platz hat. Wir meinen jedoch, daß der Vorrang beim Fachunterricht liegen muß. In der Aufzählung der Gestaltungsprinzipien fehlt die Förderung der sprachlichen Kompetenz. Wir fordern eine entsprechende Ergänzung. Gegen die weit überzogene Stellung des Schulprogrammes - es soll die wesentlichen Grundlagen der pädagogischen Arbeit bestimmen - erheben wir Bedenken. Die Vision der "autonomen Schule" läßt grüßen. Wir haben wiederholt erklärt, daß nach Auffassung namhafter Verfassungsjuristen die "autonome Schule" verfassungswidrig ist. Wir halten eine Änderung der Richtlinien in diesem Punkt für rechtlich dringend geboten. Aus unserer Schlußbemerkung: "Die harte Notwendigkeit, den Schulen in NRW zu besserer Qualität zu verhelfen, verbietet Experimente mit umstrittenen pädagogischen Visionen. Sie verbietet auch die Vergeudung der Arbeitskraft von Pädagogen für schuleigene Lehrpläne, Evaluationsverfahren und deren Fortschreibung. Der Elternverein NRW fordert klare Richtlinien mit Lehrplänen, die ein einheitliches und hohes Qualitätsniveau für die Oberstufen der Gymnasien und für die gymnasialen Oberstufen anderer Schulen in NRW gewährleisten". Lehrplan Deutsch Der Elternverein NRW hält die Kapitel über Aufbau und Ziele des Faches, über Bereiche, Themen, Gegenstände sowie über Unterrichtsgestaltung und Lernorganisation für so mißlungen, daß eine Verbesserung unmöglich erscheint. Sie müssen in Teilen neu gefaßt und dabei erheblich gekürzt werden. Sprachlich finden sich viele Rechtschreib- und Grammatikfehler und überflüssiges Fachkauderwelsch. Nach dem Lehrplanentwurf hat das Fach Deutsch nur Nützliches zu leisten, Freude an Sprache und Literatur zu vermitteln, wird nicht vorgesehen. Fragwürdige Festlegungen kennzeichnen die "obligatorischen Vorgaben", so "Epochenumbrüche" 18./19. und 19./20.Jahrhundert. Der Elternverein fordert eine gründliche Überarbeitung. Lehrplan Geschichte Der Lehrplanentwurf (133 Seiten) ist viel zu umfangreich, zu langatmig - und zu ideologisch. In ihm heißt es z.B.: "Die Themenauswahl erfolgt nicht vom historischen Gegenstand her, sondern noch stärker als in der Sekundarstufe I problemorientiert". Eine problemorientierte Sicht von Ereignissen aber verstellt die Möglichkeit, wissenschaftsorientiert in Zusammenhänge einzudringen, weil die Orientierung auf Einzelprobleme einengt und von vornherein Bewertungen einbringt. Neben Politikgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte, Kultur- und Zivilisationsgeschichte soll auch Geschlechtergeschichte und Umweltgeschichte betrachtet werden. Die Themenfelder Gleichberechtigung und Umwelt sollten im ohnehin zeitlich beschränkten Unterricht wirklich nicht zwei von sechs grundsätzlichen Ausgangspunkten für vorwissenschaftliche Geschichtsbetrachtungen sein! Lehrplan Mathematik Der Lehrplanentwurf Mathematik wird dem Hauptziel der gymnasialen Oberstufe, auf Studium und Beruf vorzubereiten, im wesentlichen gerecht. Die Auswahl der mathematischen Gebiete Analysis, Lineare Algebra/Geometrie und Stochastik findet unsere Zustimmung. Es handelt sich um wichtige und zentrale Bereiche, deren Bezug zur praktischen Anwendung ihnen hohe Bedeutung verleiht. Die Verfasser dieses Lehrplanes haben dem Anschein nach die Ergebnisse von TIMSS II und III berücksichtigt und Wege zu selbständigem Arbeiten und Finden von Lösungen betont. Zu befürchten ist allerdings, daß nach ihrem Rezept der Erwerb des notwendigen Fachwissens zu kurz kommt. Lehrplan Physik Interessant ist der Vergleich des neuen Lehrplanentwurfes mit früheren. Die Richtlinien von 1973 mit 180 Seiten Umfang enthielten 140 Seiten konkrete Lernziele mit Kursgliederungen und Zeitplänen sowie methodisch-didaktischen Hinweisen. In den etwa gleichstarken Richtlinien von 1981 schrumpft dieser Teil mit konkreten Hinweisen, die für die Unterrichtsvorbereitung zugrundegelegt werden können, schon auf 50 Seiten zusammen. Im jetzt vorgelegten Entwurf mit 129 Seiten finden sich noch 8 (!) Seiten mit wirklich konkreten Hinweisen, welche Lernziele und Stoffgebiete vorzusehen sind. Der Elternverein NRW sieht auch bei diesem Lehrplan erheblichen Nachbesserungsbedarf. Die Gestaltung des Unterrichts darf nicht derart weitgehend in die Beliebigkeit der einzelnen Schule und der Fachlehrer und -lehrerinnen gestellt werden. Der Elternverein NRW hat außerdem zu den Lehrplänen für Biologie, Sport und Sozialwissenschaften Stellung genommen. Bei Biologie und Sport fordern wir Änderungen oder Nachbesserungen, bei Sozialwissenschaften zeigen sich grundsätzliche Mängel, die eine vollständige Überarbeitung nötig machen. Wir haben dem Schulministerium in unserer Stellungnahme abschließend mitgeteilt, daß wir andernfalls eine Belegung des Faches Sozialwissenschaften nur empfehlen werden, wenn die Lehrenden Gewähr für einen vorwissenschaftlichen Unterricht auf anerkanntem Qualitätsniveau bieten. Elternverein Nordrhein-Westfalen e. V.
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