Länger gemeinsam lernen

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Sollen Kinder länger gemeinsam lernen?

Alle hier aufgeführten Erkenntnisse, mit Ausnahme des Beitrags von Professor Helmut Fend, stammen von Wissenschaftlern, die am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, das von Bund und Ländern gemeinsam getragen wird, tätig sind oder tätig waren:

1.    Die Probleme von undifferenzierten, leistungsgemischten Lerngruppen sind durch Binnendifferenzierung (unterschiedliche Aufgaben innerhalb einer Lerngruppe) nicht zu bewältigen. Sie taugt nicht als Alternative zur Äußeren Differenzierung in Kursen oder Klassen. (Roeder 1997)

 

2.       Wenn in einer Klasse die Unterschiede der Vorkenntnisse und der Begabungen allzu groß sind, dann zwingt das die Lehrer zu einer Verlangsamung des Unterrichtstempos und zu einer Intensivierung des Übens und Wiederholens. „Diese repetitive Unterrichtsführung nützt wider Erwarten Schülern mit ungünstigen Eingangsvoraussetzungen nur wenig, während die Lernfortschritte der Schüler des oberen Leistungsdrittels merklich beeinträchtigt werden.“ (Baumert, Roeder, Sang und Schmitz 1986)

 

3.       „Selbst unter den günstigen Bedingungen des Gymnasiums ist es eine schwierige Aufgabe, eine befriedigende Balance zwischen optimaler Leistungsförderung und Leistungsausgleich zu finden. Sie wird nur von einer Minderheit der Lehrer wirklich bewältigt.“ (Roeder 1991)

 

4.       „Unübersehbar zeigen sich deutliche Leistungsvorteile der Gymnasiasten aus den Bundesländern mit vierjähriger Grundschule“ (Köller und Baumert 2008). - Der Abschnitt steht unter der Überschrift: „Frühe Differenzierung fördert leistungsstarke Schüler.“

 

5.       In Dreier-Differenzierung arbeitende Schulsysteme haben und garantieren höhere Lernleistungen als in Zweier-Differenzierung arbeitende Systeme. (Prof. Dr. Helmut Fend 1984)

 

6.       Gesamtschulen haben für „vergleichbare“ Schüler keinen höheren Fördereffekt als Hauptschulen: „Bei gleichen Eingangsbedingungen wird am Ende der 10. Jahrgangsstufe ein identischer Wissensstand erreicht.“ (Baumert und Köller 1998)

 

7.       Realschüler hatten schon am Anfang des 7. Jahrgangs gegenüber den „vergleichbaren“ Gesamtschülern in Englisch und Mathematik einen Wissensvorsprung von etwa einem Schuljahr. (Köller 1996)

 

8.       Realschulen haben auch in den späteren Jahrgängen für „vergleichbare“ Schüler einen deutlich höheren Fördereffekt als Gesamtschulen: „Bei gleichen intellektuellen und sozialen Eingangsbedingungen erreichen Realschüler am Ende der Sekundarstufe I etwa in Mathematik einen Wissensvorsprung von etwa zwei Schuljahren.“ (Baumert und Köller 1998)

 

9.       „Noch stärker sind die Effekte, wenn man Gesamtschule und Gymnasium vergleicht. Bei gleichen intellektuellen und sozialen Bedingungen beträgt der Leistungsvorsprung in Mathematik an Gymnasien mehr als zwei Schuljahre.“ (Baumert und Köller 1998)

 

10.   Der Leistungsrückstand der Gesamtschüler in Mathematik bleibt so bis zum Ende des 13. Jahrgangs bestehen. Er entspricht dem Abstand von zwei Notenstufen. Im Fach Englisch erfolgt während der Oberstufe ein Leistungseinbruch von mehr als 40 Prozent. (Köller, Baumert, Schnabel u.a. 1999 und 2004)

 

11.   Durch ihre Herkunft benachteiligte, leistungsschwächere Kinder sind in undifferenzierten oder unzureichend differenzierten Lerngruppen weiterführender Schulen durch den Bezugsgruppeneffekt und die ständigen Aufwärtsvergleiche hohen psychischen Belastungen ausgesetzt, die ihnen an Hauptschulen erspart bleiben: „Nach diesen Ergebnissen stellen Hauptschulen im Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung also eher selbstwertschützende Nischen dar - und zwar auch und gerade dann, wenn das Fähigkeitsniveau der Schülerschaft sinkt.“ (Baumert, Stanat und Watermann 2006)

 

12.   Auch bezüglich des Sozialverhaltens „zeigen sich auf der Gesamtschule insgesamt die ungünstigsten Verläufe: Hier lässt sich ein Anstieg des Egoismus- bei simultanem Absinken des Altruismusmotivs feststellen.“ (Köller 1996)

 

Es gibt aus der Bildungsforschung keinen einzigen überzeugenden Hinweis auf Vorteile eines „längeren gemeinsamen Lernens“. Wohl aber gibt es dort viele Hinweise darauf, dass ein „längeres gemeinsames Lernen“ sowohl für die leistungs­stärkeren als auch für die leistungs­schwächeren Schüler Nachteile bringt.

Ulrich Sprenger, Arbeitskreis Schulformdebatte e.V. Recklinghausen, Oktober 2010

Nähere Informationen www.schulformdebatte.de

Wir danken für die Genehmigung zum Abdruck.

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Stand: 11.02.2012